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Die Schweiz: Jahre hat es gedauert, bis wir es geschafft haben, wieder einmal in das Vorzeigeland der Eisenbahn zu fahren. Und es hat sich gelohnt!
Bald ein vertrauter Anblick: SBB Re 460 mit Doppelstock-ICs, hier in Zürich.
Das Bahnland Schweiz - wem ist das nicht ein Begriff. Seit Jahren reden wir davon, endlich wieder einmal eine der legendären Reisen zu unternehmen, und das Bahnfahren in herrlicher Landschaft mit spektakulären Bahnen zu geniessen. Kaum anderswo gibt es eine derartige Fülle an Bahnstrecken, kaum ein Gebiet, das nicht erschlossen ist.
Was also stand der Idee im Wege, das Angebot des Swiss Pass zu nutzen, und vier Tage Bahn pur bei herrlichstem Wetter zu geniessen?
Salzburg ist Ausgangspunkt, mit dem Liegewagen geht es über Nacht bis Zürich. Mehr oder weniger schlaflos für einige von uns. Zuerst der Kampf mit der Bettwäsche, dann lässt uns die Klimaanlage frösteln (ohne ist die Luft nicht zu atmen), und das Notlicht vom Gang wirft seinen Schein durch ein kleines Loch direkt ins Gesicht, was das Schlafen mit den viel zu kleinen Kissen nicht gerade leichter macht.
Was für eine Erleichterung sollten da dann die Fahrten in der Schweiz sein! Nach einem schnellen Frühstück in Zürich steht Luzern am Programm. Geplant ist der Besuch im Verkehrshaus, angesichts des herrlichen Wetters entscheiden wir uns aber spontan, auf das Museum zu verzichten, und stattdessen in die Berge zu fahren. Eine Entscheidung, die wir nicht bereuen werden.
Auf den Pilatus führt die mit 48% Steigung steilste Zahnradbahn der Welt. Einzigartig ist auch das Zahnradsystem mit den beiden liegenden Zahnrädern, die sowohl zur Kraftübertragung als auch zur Spurführung dienen. Spurkränze verhindern dabei das Aufklettern bzw. Entgleisen der Wagen.
Also: Rauf auf den Berg, die Aussicht geniessen, einen dem Preis nach vergoldeten Kaffee trinken, und wieder runter ins Tal. Der Abstecher hat sich jedenfalls ausgezahlt.
Am Horizont können wir unser nächstes Ziel ausmachen: Das Jungfraumassiv.
Die einstige Brünigbahn nennt sich jetzt Zentralbahn und verbindet Luzern mit Interlaken Ost. Hier die Zugkreuzung am Scheitelpunkt der Strecke, dem Brüningpass.
Großartig Fotos beim Umsteigen machen kann man sich abschminken. Kaum eingestiegen, fährt der Zug schon los.
Interlaken Ost. Aussteigen, Bahnsteig wechseln, einsteigen, abfahren. An derart schnelle Anschlüsse muss man sich erst gewöhnen. Vorbei an der Talstation der Schynigge Platte Bahn, teils zweigleisig, teils mit Zahnstange nach Lauterbrunnen. Dort Umsteigen in die Seilbahn, für die Fahrt auf die Jungfrau reicht die Zeit nicht mehr. Dafür ist die Strecke von Grüschalp nach Mürren nicht minder interessant, eine gemütliche Fahrt mit dem Triebwagen in den Schiort, dort dann das wohlverdiente und sehr leckere Abendessen. Endlich Rösti! Man kann es kaum erwarten, diese Schweizer Spezialität zu verschlingen.
Mit prall gefülltem Bauch und nach dem einen oder anderen Bier erreichen wir abends schließlich Bern, wo wir die kommenden drei Nächte unser Quartier aufschlagen werden.
Montreux am Genfer See. Die MOB teilt sich den Bahnhof mit der SBB und der Zahnradbahn nach Rochers de Naye.
Leicht bis mittelschwer übermüdet.
Nach einer fast schlaflosen Nacht und einer mit nur ein paar Stunden Schlaf kein Wunder. Am Freitag soll es im wahrsten Sinn des Wortes hoch hinaus gehen. Bern - Spiez - Zweisimmen - Montreux. Letztere Etappe mit der MOB, der Montreux-Oberland-Bahn. Leider auch der erste Kontakt mit modernen Panoramawagen. Leider deswegen, weil sich die Fahrt mit derartigen Wagen, die wegen der Klimaanlage keine öffnungsfähigen Fenster haben, eher langweilig gestaltet. Aber immerhin etwas Zeit, um Schlaf nachzuholen.
Kaffee in Montreux, das eingerostete Französisch aus der Versenkung holend, geht es anschließend weiter nach Martigny.
Die folgende Strecke nach Chamonix-Mont Blanc in Frankreich sah bei der Reiseplanung in Google Earth bei weitem nicht so spektakulär aus. Mit weinigen Worten könnte man die Bahn als "Internationale Hochalpine S-Bahn mit Zahnstangenabschnitten und teilweise Oberleitungsbetrieb" bezeichnen. Schon nach wenigen Kilometern beginnt die Zahnradstrecke, der Stromabnehmer wird eingezogen, und der erste von mehreren Abschnitten mit seitlicher Stromschiene folgt. Ausgesprochen flott wird dann der Höhenunterschied überwunden, bis sich linkerhand eine tiefe Schlucht zeigt, wobei man sich unwillkürlich fragt, wer auf die Idee kommt, hier eine Bahnstrecke zu bauen.
In Vallorcine heisst es umsteigen: Ab hier betreibt die SNCF, die französische Staatsbahn die Strecke. Das ist auch fühlbar: geschraubte Schienen mit einer Gleislage wie der einer Feldbahn.
Nicht minder beeindruckend die Fahrt mit der Seilbahn auf den Aiguille du Midi, auf 3.842 Meter Seehöhe, Aug in Aug mit dem höchsten Berg Europas, dem Mont Blanc. Weiche Knie und Schwindelgefühle inklusive. Dafür aber unvergesslich!
Dann am Nachmittag zurück in die Schweiz. Unterwegs füllt sich der Führerstand, die Einstiegsbereiche werden mit Post beladen. Bahnpost? Sowas gab's doch auch mal bei uns?
Abendessen in Lausanne: Jeder, der sich denkt, dass Salzburg ein teures Pflaster ist, hat noch nie eine Pizza um knapp 30 Franken gegessen. Nicht ganz 20 Euro, umgerechnet. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.
Stromschiene oder Fahrleitung? Nahverkehr oder Bummelzug? Frankreich oder Schweiz? All das bietet die Fahrt nach Chamonix.
Zuerst sieht es nach Nebelsuppe aus, dann zeigt er sich, wie es kitschiger nicht sein könnte: Der Mont Blanc, der weisse Berg.
In Bellinzona warten zahlreiche Loks auf neue Aufgaben. Auswirkungen der Wirtschaftskrise?
Samstag: Bern - Luzern - Gotthard - Locarno.
Zimelich unbeeindruckt vom Stau auf der Autobahn geniessen wir die Fahrt über den Gotthard. Vorbei an der Baustelle für den 58 Kilometer langen Basistunnel, Wassen mit seiner bekannten Kirche umrundend, vorbei an fast endlosen Reihen abgestellter Loks in Bellinzona, erreichen wir Locarno am Lago Maggiore. Hier wird es uns richtig warm, man spürt das mediterrane Klima.
Die anfängliche Vorfreude auf die Fahrt mit der Centovallibahn von Locarno nach Domodossola wird schnell getrübt. Der Panoramazug gleicht einem Kühlschrank, keinerlei Möglichkeit, irgendwo halbwegs vernünftige Fotos zu machen und die Landschaft zu beobachten. Von der viel zu engen Bestuhlung ganz zu schweigen.
Fazit: In Zukunft wird auf derartige Züge verzichtet, und mit normalen Regionalzügen gefahren!
In Domodossola steigen wir in den Cisalpino um, kurzer Aufenthalt und die Möglichkeit den Pflegezustand italienischer Fahrzeuge mit den schweizerischen zu vergleichen. Man hat das Gefühl, einen Kulturschock zu erleben.
Bern ist dann schnell erreicht: mit einer bunt zusammengewürfelten Garnitur aus Doppelstock- und Schnellzugwagen durch den neuen Lötschbergtunnel.
Der Tag wird dann in Bern mit einem guten und magenfüllenden Essen beendet.
Eisenbahntechnischer Kulturschock: Nein, diese D245 der FS ist nicht Schrott, sondern in Betrieb.
Wer kennt ihn nicht? Der legendäre Glacier Express am Oberalp Pass.
Der letzte Tag: Zuerst wären Bern und Zürch auf dem Programm gestanden. Das schöne Wetter lässt uns das schnell verwerfen, stattdessen führt uns die Fahrt auf die Spuren des legendären Glacier Express.
Nach den Erfahrungen mit den Touristenzügen der letzten Tage, soll es diesmal der normale Regionalzug sein, der uns bis Chur bringt, zweimal Umsteigen inklusive. Der Aufpreis von 2 Euro bringt aber auch andere davon ab, mit dem Schnellzug zu fahren, aber der Kampf um die Fensterplätze ist schnell gewonnen!
Abwechslungsreicher kann eine Bahnfahrt wohl nicht sein. Zuerst der Trubel am Brigger Bahnhofsvorplatz, dann die Schigebiete rechts und links der Strecke, die Autoverladung mit dem 15 Kilometer langen Tunnel unter dem Furkapass (zu sehen sind auch die Baufortschritte der Dampfbahn Furka Bergstrecke im Bahnhof Oberwald), die Kehrengruppe auf den Oberalp Pass und die karge Landschaft entlang des gleichnamigen Sees auf über 2.000 Meter Seehöhe. Bis Disentis mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn, von dort mit der Rhätischen Bahn durch die Rheinschlucht bis Chur. Die Strecke ähnelt im letzten Abschnitt mehr einer zweigleisigen Hauptstrecke, als einer romatischen Schmalspurbahn.
Noch einmal Rösti in Sargans, bevor wir in unbequemen Sitzen im überfüllten, verspäteten EC nach Salzburg zurück kommen.
Und das vielleicht sehr subjektive Gefühl, dass Bahnfahren ausserhalb ßsterreichs mehr Spaß machen kann und komfortabel und schnell gleichermassen ist.
Zusatzbilder
Autor: Michael SchleifenbaumErstellt am: 15.09.2009Zuletzt bearbeitet: 16.09.2009